Das ehrwürdige Gebäude wurde 1861, ein Jahr nach dem großen Brand gebaut.
Im Erdgeschoss der alten Volksschule in Gaas befanden sich der große Flur, Lehrerwohnung, Kindergarten und Wirtschaftsräume. Über eine breite Stiege gelangt man in den ersten Stock mit 2 Klassenräumen von je ca. 60 m2.
Siehe Wikipedia Eintrag https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Volksschule_Gaas.jpg
Wissenswertes über die alte Volksschule in Gaas
(Erzählt von Annelise Steiner (Ratz). Sie war gemeinsam 1960 bis 1969 mit ihren Geschwistern die Lehrerkinder und Schüler von dem Lehrer Georg Ratz.
Die Lehrerwohnung befand sich im Erdgeschoss des Schulhauses. Über eine Holztreppe gelangte man in den ersten Stock, wo sich die beiden Klassenräume – die „große“ Klasse und die „kleine“ Klasse – befanden. Vor Unterrichtsbeginn warteten die Schülerinnen und Schüler draußen auf der Nordseite des Hauses, bis sie von ihrem Lehrer eingelassen wurden.
Der große, eingezäunte Schulhof war das Herzstück des Geländes. Dort standen Wirtschaftsgebäude, ein Obstgarten, ein Gemüsegarten und eine Weinlaube. Auf der Nordseite befanden sich unter anderem eine „Kammer“ für Kartoffeln, Kraut und Obst, eine Garage (ab 1962 mit dem Opel Rekord der Familie), ein Schweinestall, den die Familie einige Jahre bewirtschaftete, und eine Holzhütte für die Sägespäne des Kinderzimmerofens. Das Holz für die Öfen wurde von Georg Ratz selbst gehackt und im Hof gestapelt. Obst- und Gemüsegarten wurden gepflegt, Mitte der 1960er Jahre kamen vier Bienenvölker hinzu. Blumenbeete und Rosen entlang des Zauns rundeten das Bild ab.
In der Wohnung selbst gab es zunächst kein fließendes Wasser. Wasser zum Kochen, Waschen und für die Körperhygiene musste aus dem Ziehbrunnen des Nachbarn geholt werden. Gebadet wurde in einer Blechwanne in der Küche, Windeln und Wäsche wurden ebenfalls so gewaschen. Erst etwa 1964 installierte die Gemeinde oder Pfarre ein Badezimmer mit Badewanne und Toilette. Die Kachelöfen im Elternschlafzimmer und Wohnzimmer waren dekorativ, konnten aber nicht heizen; geheizt wurde nur die Küche und der Sägespäneofen im Kinderzimmer. Das Plumpsklo an der nördlichen Hausecke, über einer kleinen Kläranlage, war für die Kinder der Familie zu gefährlich.
Der Unterricht in der alten Volksschule
Der Unterricht in der „großen Klasse“ umfasste durchschnittlich 40 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 8. Schulstufe. Georg Ratz unterrichtete nach dem sogenannten Abteilungsunterricht: Jede Schulstufe erhielt etwa zehn Minuten direkten Unterricht, während die anderen still arbeiteten. Während die Erstklässler Buchstaben übten, schrieb die Zweitklässlergruppe Wörter ab, die Drittklässler arbeiteten an Sätzen zu Rechtschreibthemen, und die Oberstufe verfasste Aufsätze. Danach wechselte der Lehrer zur nächsten Stufe – ein Ablauf, der den ganzen Vormittag wiederholt wurde.
Am Nachmittag bereitete Georg Ratz die Stillarbeitsphasen sorgfältig vor, vermerkte Aufgaben auf der „Zugtafel“ und korrigierte die Hausübungen. Abends und teils bis spät in der Nacht erstellte seine Frau Arbeitsblätter für die Oberstufe auf Blaupapier – Kopiergeräte gab es damals nicht. Bücher mussten die Eltern der Schülerinnen und Schüler nicht kaufen, gebrauchte Exemplare wurden von Stufe zu Stufe weitergereicht. Oftmals waren sie beschädigt, doch Georg Ratz und seine Frau reparierten sie vor Schulbeginn.
Nur wenige weitere Lehrkräfte waren vor Ort: Prälat Herczeg, der zweimal wöchentlich den Religionsunterricht übernahm, und eine Handarbeitslehrerin, die einmal wöchentlich die Mädchen in Stricken und Häkeln unterrichtete. Georg Ratz leitete zudem einen Schulchor, der regelmäßig am Bezirksjugendsingen teilnahm.
Im Schuljahr 1969/70 lebte die Familie bereits in einem neuen Haus, doch Georg Ratz pendelte täglich nach Gaas, um weiterhin zu unterrichten. 1970 wurde die Schule aufgrund landesweiter Schulzusammenlegungen endgültig geschlossen. Die Kinder besuchten fortan die Volksschule in Eberau, und die Oberstufe entfiel.
Eines der letzten Gebäude seiner Art steht in Gaas bei Eberau
Als ich nach den Wörtern „alte Volksschule“ suchte, fand ich auch Artikeln in denen zu lesen war, dass alte Schulen in Österreich vielerorts einfach abgerissen werden und dass viele alte Bauwerke, die nicht unter Denkmalschutz stehen, langsam verschwinden. Unsere alte Volksschule hat dank Denkmalschutz überlebt.
Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Eberau
Gaas, die Geschichte des Ortes
Zur Großgemeinde Eberau gehört heute auch Gaas, das ebenfalls schon 1221 als „Kertes“ erwähnt wurde. In dieser Urkunde ist die Rede von einem „Haus des Heinrich“, wahrscheinlich Heinrich von Güssing. 1271 wird ein „castrum de Kertes“ genannt. Über die Grundherrn im Mittellter ist nichts bekannt. 1558 wird als Grundherr die Kleinadelsfamilie Akats – Loranth genannt. 1859 vernichtete ein Großbrand den Ort. Man errichtete um 1860 die Volksschule und 1881 eine Volksschule in Eberau („alte Volksschule“) 1888 wurde der „Pinkathaler Spar- und Aushilfsverein gegründet, 1923 die Raiffeisenkasse Eberau. Die Reblauskrise und der starke Bevölkerungszuwachs führten auch in Gaas zur Verarmung. Auswege waren die Wanderarbeit, die „Grünarbeit“ in Innerungarn und dann in Niederösterreich, und die Auswanderung nach Amerika. Zwischen 1900 und 1939 wanderten 179 Personen aus, 76 kamen wieder zurück. 1920 wurde der Ort mit elektrischem Strom versorgt.
Gaas, ein Ort des Wohlfühlens
Gaas bei Eberau ist ein besonders schöner Ort im Südburgenland. Ganz gleich aus welcher Richtung man sich nähert, es scheint, als betrete man die italienische Toskana. Der sanfte, aber deutliche Wandel der Landschaft verströmt ein Gefühl von Schönheit und Abgeschiedenheit – wie der Eintritt in eine neue und doch uralte Welt. Es ist wie ein Zauber, der eine tiefe innere Ruhe und gleichzeitig eine freudige Erwartung hervorruft.
Nicht umsonst heißt es, dass viele Menschen, die Ruhe, Schönheit und herzliche Begegnungen suchen, hier fündig geworden und sesshaft geworden sind. Hier ist jeder willkommen, wie mir Einheimische versichert haben.
Gaas, alles klein aber fein
„Alles klein“ bedeutet in Gaas keineswegs „alles unbedeutend“. Die Kellerstöckel in der Gegend sind klein, aber wunderschön. Die Kirche in Gaas ist klein, aber sehr gut erhalten. Der Nahversorger in Eberau ist klein, aber tipptopp und bietet erfrischend freundliche Bedienung. Bäcker und Fleischer bemühen sich mit einem aufwendigen Zustellservice, ihren älteren, langjährigen Kunden buchstäblich entgegenzukommen. Wenn ich um acht Uhr morgens das Hupen der Bäckerin höre, bekomme ich sofort Appetit auf ein zweites Frühstück. Alles in allem: Eine große Lebensqualität in einer kleinen, sehr netten Gemeinde.




