Nachhaltigkeit mitten unter uns, die alte Volksschule

Wie trägt das Gebäude der alten Volksschule in Gaas und seine Restaurierung zur Nachhaltigkeit bei?

Ressourcenschonung ist zwingend notwendig: Neubauten verbrauchen viel graue Energie. Restaurieren und Wiederverwenden sind Schlüsselstrategien für den Klimaschutz. Auch Regionalität und Handwerk gewinnen zunehmend an Bedeutung: Kurze Wege und lokales Handwerk sichern Identität, schaffen Resilienz gegenüber globalen Krisen und stärken die Umwelt. Natürliche Materialien und bewusste Architektur schaffen eine spürbar bessere Aufenthaltsqualität – etwas, das Hausbauer zunehmend aktiv suchen.

Hier erfahren Sie mehr über die nachhaltige Restaurierung der alten Volksschule:

https://sammlunghirschfeld.at/die-alte-volksschule-in-gaas-restaurierung/

Die Wahl eines alten Gebäudes

Aus Sicht der Gesamt-Ökobilanz (Herstellung + Betrieb + Entsorgung über 80 Jahre) schneidet die Sanierung der alten Volksschule deutlich besser ab als ein Neubau. Der vermeintliche Nachteil eines etwas höheren Heizenergiebedarfs im Betrieb wird durch die enorme CO₂-Einsparung beim Erhalt des Rohbaus („graue Energie“) und die Nutzung von 100 % erneuerbaren Energien vollständig kompensiert. Der Altbau schützt das Klima jetzt sofort, und während ein Neubau erst in Jahrzehnten eine positive CO₂-Rückzahlung erreicht.

Die Herausforderungen des Altbaus

Betriebsenergie & Dämmung (U-Werte)

Der physikalische Fakt:

Historische Außenwände ohne moderne Dämmschichten haben einen schlechteren Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) als die Wände eines neu gebauten Passivhauses.

Die Herausforderung für die Nachhaltigkeit:

Der Altbau verbraucht in der Heizperiode physikalisch bedingt meist mehr Energie. Um die CO₂-Bilanz dennoch sauber zu halten, muss diese Differenz in der Nutzungsphase zwingend durch eine hocheffiziente, zu 100 Prozent erneuerbare Energiequelle (wie eine Wärmepumpe in Kombination mit Ökostrom) ausgeglichen werden.

Einschränkungen bei Solarenergie

Der physikalische Fakt:

Denkmalschutzauflagen verbieten in vielen Regionen die Montage von standardmäßigen, auffälligen Photovoltaikanlagen (PV) auf den sichtbaren Dachflächen historischer Gebäude.

Die Herausforderung für die Nachhaltigkeit:

Der Altbau kann seinen Strombedarf dadurch oft schwerer direkt vor Ort autark erzeugen, deshalb müssen als nachhaltige Lösungen müssen hier alternative Wege wie denkmalschutzgerechte PV-Dachziegel oder die Beteiligung an einer regionalen Energiegemeinschaft genutzt werden.

Materialkompatibilität & Feuchteschutz

Der physikalische Fakt:

Historische Baustoffe sind diffusionsoffen („atmungsaktiv“). Werden sie mit modernen, dampfdichten Materialien wie Zementputzen oder Dispersionsfarben kombiniert, kommt es zu Feuchtigkeitsstaus und Bauschäden.

Die Herausforderung für die Nachhaltigkeit:

Eine ökologische Sanierung verlangt nach feuchtigkeitsregulierenden, meist teureren Spezialbaustoffen wie Lehm- oder Kalkputzen. Unsachgemäße Materialwahl verkürzt die Lebensdauer des Gebäudes drastisch und erzeugt vermeidbare Sanierungsabfälle.

Die Vorteile des Altbaus

Graue Energie & CO₂-Rucksack

Der physikalische Fakt:

Ein Großteil der Treibhausgasemissionen eines Gebäudes entsteht bereits vor der eigentlichen Nutzung – bei der Rohstoffgewinnung, dem Transport und der Errichtung von Fundament, Tragwerk und Wänden.

Warum das im Altbau nachhaltiger ist:

Durch den Erhalt der alten Volksschule bleibt die darin gebundene „graue Energie“ gesichert. Ein Abriss und anschließender Neubau würde sofort tonnenweise CO₂ freisetzen. Rechnerisch müsste ein hocheffizienter Neubau oft 30 bis 50 Jahre betrieben werden, um diese initialen Emissionen im Vergleich zu einer Sanierung wieder einzusparen.

Flächenverbrauch & Versiegelung

Der physikalische Fakt:

Jeder Neubau beansprucht in der Regel neue, bisher unversiegelte Flächen auf der grünen Wiese. Der Altbau steht bereits auf voll erschlossenem Grund im Ortskern.

Warum das im Altbau nachhaltiger ist:

Die Revitalisierung reaktiviert bereits versiegelten Boden. Es müssen keine neuen Natur- oder Landwirtschaftsflächen zubetoniert werden. Das schützt das lokale Ökosystem, erhält wichtige Sickerflächen für Regenwasser und wirkt der Zersiedelung entgegen.

Kreislaufwirtschaft & Abfallvermeidung

Der physikalische Fakt:

Konventioneller Bauschutt aus Abrissen (wie Beton und verklebte Verbundmaterialien) stellt weltweit den größten Anteil des Abfallaufkommens dar und ist im Recycling extrem energieintensiv.

Warum das im Altbau nachhaltiger ist:

Die Sanierung vermeidet diese massiven Schuttberge an der Quelle. Zudem wurden historische Gebäude meist mit sortenreinen, trennbaren Naturmaterialien sowie Ziegel, Kalkmörtel und Holz errichtet. Am Ende ihrer Lebensdauer lassen sich diese Werkstoffe wesentlich einfacher wiederverwenden als moderne, chemisch verklebte Verbundbaustoffe.

Ressourcenschonung

Der physikalische Fakt:

Die Herstellung von Schlüsselbaustoffen wie Zement und Stahl ist extrem energie- und emissionsintensiv und verbraucht weltweit knappe Ressourcen wie Bausand.

Warum das im Altbau nachhaltiger ist:

Da das Fundament und das tragende Mauerwerk der Volksschule bereits existieren, sinkt der Bedarf an neuen Primärbaustoffen für das Museum um bis zu 60 bis 70 Prozent im Vergleich zu einem identischen Neubau.

Energie- und Nachhaltigkeitsprofil: Die alte Volksschule

Dieses Profil dokumentiert die energetische Bilanz und die CO2-Vermeidungseffekte des sanierten, historischen Gebäudes aus dem Jahr 1860.

Energiebilanz 

Wohnfläche: 280 m²
Baujahr: 1860 (Kern-saniert und restauriert mit ökologischen Naturmaterialien)
Heizsystem: Wärmepumpe mit Fußbodenheizung (optimierte Vorlauftemperatur) sowie 4 Infrarotpaneele bei Bedarf
Zusatzheizung: 3 Holzöfen mit einem Jahresverbrauch von ca. 4 m³ Holz (Energiegehalt ca. 7.200 kWh)
Gesamtstromverbrauch: 12.000 kWh/Jahr (inklusive Heizung, Warmwasser, Haushalt und Wallbox)
Spezifischer Stromverbrauch: 42,9 kWh/(m²a)
Spezifischer Gesamtenergieverbrauch (inklusive Holz): 68,6 kWh/(m²a)

Jahreskosten derzeit für Heizung, Warmwasser und Strom inkl Holz Zukauf ca. Euro 3.100,-

CO2-Fußabdruck 

Strombezug (75 %): 9.000 kWh werden über die regionale Energiegemeinschaft „Fanclub Burgenland“ bezogen (100 % Windkraft und Photovoltaik) -> 0 kg CO2.
Netzstrom (25 %): 3.000 kWh aus dem öffentlichen Netzmix -> ca. 225 kg CO2/Jahr.
Holzfeuerung (4 m³): Bilanziell CO2-neutral -> 0 kg CO2.
Gesamter CO2-Fußabdruck im Betrieb: ca. 225 kg CO2 pro Jahr (nur 0,8 kg CO2/(m²a)).

Das Gebäude der alten Volksschule spart im Vergleich zu einer fossilen Heizung jährlich über 95 % der CO2-Emissionen ein.Durch den Bezug von 9.000 kWh für nur 9,9 Cent/kWh (netto) über den Burgenland-Fanclub sind die Betriebskosten für den Großteil des Strombedarfs langfristig extrem niedrig und stabil. Die Kombination aus effizienter Grundwärme (Wärmepumpe), flexibler Zusatzwärme (Infrarot, Holzöfen) und Elektromobilität (Wallbox) macht das Gebäude zukunftssicher und unabhängig.

Quellen:

WKO Offizielle Information der Bundesinnung

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (im Auftrag der LEG-Immobiliengruppe).

Die nachhaltige Restaurierung des Gebäudes der alten Volksschule  Unterbau und Böden, Decken, Fenster, Türen

Im Erdgeschoss wurde der bestehende Boden zunächst 70 Zentimeter tief abgegraben und fachgerecht entfeuchtet. Der anschließende Aufbau besteht aus einer 60 Zentimeter starken Schicht Spitzschotter sowie einer 15 cm starken wärmedämmenden Schicht aus Glasschaumschotter unter dem Estrich. Darauf folgen die Fußbodenheizung, ein diffusionsoffener Zement- oder Anhydritestrich sowie ein Fliesenboden, für den ausschließlich gebrauchte Fliesen oder Restbestände von Großbaustellen verwendet wurden. 

Im ersten Obergeschoss blieb die historische Substanz weitgehend erhalten. Die 40 Zentimeter starken Holzbalken mit ihrer originalen Schlackefüllung wurden belassen. Der darauf liegende, originale Boden aus drei Zentimeter starken Eichenbrettern wurde aufgefrischt, mit Leinölfirnis behandelt und in den Spalten mit Schafwollzöpfen abgedichtet. 

Im Dachgeschoss bildet ein originaler Ziegelboden auf Schlacke die Basis. Darüber liegen zehn Zentimeter starke Holzbalken, deren Zwischenräume mit einer Zellulosedämmung ausgeblasen wurden, gefolgt von einer zwei Zentimeter dicken Fichtenschalung als oberstem Bodenbelag. Beschädigte Dachziegel wurden adäquat ersetzt. 

Der Deckenaufbau im gesamten Gebäude nutzt traditionelle Strohmatten als Putzträger, auf die ein Baumit-NHL-Feinputz aufgetragen wurde. Den gestalterischen Abschluss bildet eine modifizierte Kalkfarbe von Synthesa/Caparol, die händisch mit der Bürste gestrichen wurde. 

Die historische Tischlerarbeit wurde mit hohem Aufwand erhalten. Noch vorhandene originale Türstöcke und Türen wurden aufbereitet, während nachträglich eingebaute Eisenzargen entfernt und durch historische Holzstöcke und Füllungstüren ersetzt wurden. Sämtliche Türblätter wurden geschliffen, schadhafte Stellen verkittet und mit Leinölfarbe von Sefra gestrichen. In gleicher Weise wurden die historischen Fenster und Fensterläden geschliffen, neu gedübelt, gerichtet und mit Leinölfarbe konserviert.

Die nachhaltige Restaurierung des Gebäudes der alten Volksschule Wände und Fassade und Wärmeschutz

Bei den Wänden wurde zunächst loses Putzmaterial inklusive sämtlicher Kalkaufblühungen abgetragen und fachgerecht entsorgt. Aufgetragen wurden eine rund zwei Zentimeter dicke Schicht Baumit-NHL-Wandputz sowie zwei Lagen Baumit-NHL-Superfino-Feinputz, die anschließend glatt verschliffen und ebenfalls mit der gebürsteten Kalkfarbe vollendet wurden.

Die Außenfassade befindet sich derzeit noch im teilweise renovierten Zustand. Für die zukünftige Restaurierung des historischen Faschenputzes ist eine handwerklich anspruchsvolle Mischung aus Sumpfkalk, Trassit und Kalksteinsand vorgesehen. Das exakte Rezept für jeweils 20 Liter des benötigten Faschenputzes sieht ein Mischungsverhältnis von etwa 1:3 mit Trass-Zusatz vor. Es setzt sich aus 5 Litern Sumpfkalk als Bindemittelbasis, 10 Litern Kalksteinsand mit einer Körnung von 0,6 bis 2 Millimetern für die strukturelle Festigkeit, 5 Litern feinem Kalksteinmehl zur Erhöhung der Gefügedichte sowie 0,75 Litern Trassit Plus zur hydraulischen Erhärtung zusammen,

Außer den 70 Zentimeter dicken Ziegel Außenwände wurde kein zusätzlicher Wärmeschutz angebracht. Eine aktive Dämmung mit Naturbaustoffen wurde daher gezielt auf den Fußboden im Erdgeschoss und die oberste Geschossdecke zum Dachboden beschränkt. 

An den drei Eingängen des Gebäudes, die mit originalen burgenländischen Holztüren ausgestattet sind, wurde jeweils ein innerer oder äußerer zweiter Eingang als Windfang eingezogen. 

Fehlende oder nur einfach verglaste Oberlichter der Fenster wurden durch nachgefertigte, zweite Oberlichter im Sinne eines Kastenfensters ergänzt. Die Eingangstüren wurden im Schwellen- und Falzbereich mit passgenauen Kälteabdeckleisten aus Holz mechanisch abgedichtet, wobei bewusst auf synthetische Gummidichtungen verzichtet wurde. Ergänzend wurden an sämtlichen Eingängen schwere Kälteschutzvorhänge montiert.

Die nachhaltige Restaurierung des Gebäudes der alten Volksschule Heizung 

Die Bereitstellung der Grundwärme erfolgt über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe des Typs Buderus Logatherm WPLS.11,2 mit integriertem Warmwassermodul und einer Leistung von 11 Kilowatt. Die Wärmepumpe wurde etwas zu klein ausgelegt. 18 Kilowatt wären optimal. 

Dieses System speist die Fußbodenheizung im Erdgeschoss sowie eine Wandheizung im ersten Obergeschoss, da dort die historischen Eichendielen nicht durch eine Fußbodenheizung beeinträchtigt werden . 

Für Spitzenlasten oder zusätzlichen Wärmebedarf stehen vier Infrarot-Module mit einer Leistung von je 400 Watt sowie drei klassische Holzöfen mit einer Heizleistung von jeweils etwa 4 Kilowatt zur Verfügung.

Die nachhaltige Restaurierung des Gebäudes der alten Volksschule Elektro

Die gesamte Elektroinstallation wurde durch ein Fachunternehmen ausgeführt. Um die wertvolle historische Bausubstanz zu schonen, nutzte man bei der Leitungsverlegung konsequent bereits vorhandene Rohre, Vertiefungen und Schächte. 

Es kamen weitgehend schadstofffreie und halogenfreie Materialien zum Einsatz. Durch den gezielten Einsatz einer Tastersteuerung anstelle klassischer Wechselschaltungen konnte die benötigte Kabellänge und damit der Kupferverbrauch erheblich reduziert werden. 

Eine optimierte Leitungsführung und das Vermeiden unnötiger Kontaktstellen senken zudem den elektrischen Widerstand, was Energieverluste durch Leitungserwärmung minimiert.

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