Nachhaltigkeit durch verweilen

Verweilen Sie im „Zigarrenzimmer“ in der Ausstellung „Nachhaltigkeit und wir“ in der sammlunghirschfeld und spüren Sie medizinische Anwendung durch Nachhaltigkeit.

„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen, damit nicht die Weltlust den Sinn für das Schöne auslösche, den Gott in die menschliche Seele gepflanzt hat.“

Johann Wolfgang von Goethe,
„Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1795/96),
im vierten Buch, Kapitel eins.

Zigarrenzimmer EG 1 #sammlunghirschfeld
Zigarrenzimmer EG 1 #sammlunghirschfeld

Treten Sie ein in das Zigarrenzimmer

Verweilen Sie 10 Minuten in einem Raum, der nicht nach Ihrer Aufmerksamkeit verlangt, sondern Ihnen Ihre eigene zurückgibt.

Hier dürfen Sie die Schwere der Möbel als Anker nutzen, um für zehn Minuten aus der flüchtigen digitalen Welt in die Beständigkeit des Analogen überzugehen. Lassen Sie Ihren Blick auf den Gemälden ruhen und lauschen Sie dem Takt der alten Uhr, der Sie sanft an den Rhythmus der Muse erinnert. Wir laden Sie ein, das bloße Verweilen als höchste Form der Nachhaltigkeit zu zelebrieren – ein Schutzraum für die Seele, ganz im Sinne Goethes. Schenken Sie sich diese Stille, damit der Sinn für die Schönheit der Welt in Ihnen wieder Raum zum Atmen findet.

Nachhaltig durch Schöpfungskraft

In einer Welt, die sich im Takt von Algorithmen und der Jagd nach dem nächsten Klick immer schneller dreht, haben wir oft den Blick für das Wesentliche verloren. Unser moderner Konsum gleicht einem rastlosen Hunger, der kurzfristige Befriedigung sucht, aber eine tiefe innere Leere und ökologische Erschöpfung hinterlässt. Dieses System der permanenten Verfügbarkeit produziert nicht nur Abfallberge, sondern auch ein stilles Leid – die Entfremdung des Menschen von seiner eigenen Schöpfungskraft und der Natur.

Wahre Nachhaltigkeit beginnt jedoch nicht beim Verzicht, sondern bei der Rückbesinnung auf den Wert der Dinge und die Zeit, die sie brauchen. In der analogen Kultur – im handgeschriebenen Brief, im reparierten Erbstück oder im gedruckten Buch – liegt eine heilende Kraft verborgen. Diese Entschleunigung erlaubt es uns, die Welt wieder mit allen Sinnen zu begreifen, anstatt sie nur auf einem Bildschirm zu konsumieren. Ein handwerklich gefertigter Gegenstand trägt die Geschichte seiner Entstehung in sich und fordert uns dazu auf, ihn mit Achtsamkeit zu bewahren.

Indem wir das Analoge wieder schätzen lernen, heilen wir auch die Zerrissenheit unserer Aufmerksamkeit und finden zu einer tieferen Beständigkeit zurück. Es ist der bewusste Übergang vom „Immer mehr“ zum „Immer besser“, der den Geist beruhigt und die Erde entlastet. In dieser Einfachheit liegt der Schlüssel zu einer Zukunft, in der wir nicht mehr gegen die Endlichkeit der Ressourcen kämpfen, sondern im Einklang mit ihnen leben.

Verweilen Sie im Zigarrenzimmer

Wer lernt, zehn Minuten lang ein einziges Bild zu betrachten, trainiert seine Genügsamkeit. Diese Form der „ästhetischen Sättigung“ reduziert den Drang nach ständigem Neu-Erwerb und kurzlebigen digitalen Reizen.

Unser Gehirn ist im digitalen Raum oft im Zustand der Dauer-Alarmbereitschaft (Hyper-Vigilanz). Das analoge Verweilen wirkt hier wie eine medizinische Anwendung.

Die „weltlichen Sorgen“, vor denen Goethe warnte, sind heute die digitalen Zerstreuungen. Das analoge Verweilen „löscht den Sinn“ nicht aus, sondern frischt ihn wieder auf, damit wir die Schönheit der Welt wieder wahrnehmen können.